Gedankenseiten, Gedankensprünge

Gedankensprung I

Krawatte richten, Hemd glätten. Die Uhr an den Arm geschnallt, das Jackett übergestreift. Noch einmal in den Spiegel geschaut. Das smarte Lächeln aufgesetzt. Und nur Deine Augen verraten, was wirklich in Dir vor geht. Für jene, die es sehen und verstehen können. Same business as always: The show must go on.

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Gedankenseiten, Zusatzseiten

Unter'm Nachthimmel

Es ist tiefe Nacht. Und ich kann einmal mehr nicht schlafen. Gedankenschwanger ziehe ich alle paar Minuten durch die Wohnung. Alles hier schläft. Irgendwie. Der Tee neben meinem Bett ist mittlerweile eiskalt. Schnee hat sich an meinem Fenster gesammelt. Bis vor ein paar Stunden hat es heftig geschneit. Jetzt ist der Himmel klar. Ich ziehe mir etwas über und gehe auf den Balkon. Ich fege mit der Hand eine Schneewehe vom Stuhl, der hier immer steht und setze mich. Die frische und kalte Luft umfängt mich; ich atme tief ein. Ich höre die Stille. Kein Auto fährt mehr und jedes andere Geräusch wird scheinbar vom Schnee verschluckt. Ich mag den Winter nicht. Die Kälte nicht und auch nicht den Schnee.…

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Gedankenseiten, Lyrik

Nie

Er war immer korrekt. Er war immer pünktlich, kam nie zu spät zur Arbeit. Sein Arbeitsplatz war immer ordentlich. Kein Auftrag wurde von ihm zu spät abgegeben, nie vergaß er einen Termin. Er gratulierte immer pünktlich zum Geburtstag; selbst bei entfernt Bekannten. Er bezahlte immer pünktlich seine Steuern in voller Höhe und gab immer seinen Anteil an die GEZ. Nie kam er mit ungewaschenen Haaren zur Arbeit, immer saß sein Krawattenknoten korrekt. Sein Hemd war immer gebügelt, der Anzug immer ordentlich gereinigt. Er ging stets pünktlich zum Training und gab immer alles dort. Er machte seine Übungen zu Hause und aß immer pünktlich zu festen Zeiten. Er behielt immer jedes Geheimnis für sich, das ihm anvertraut wurde, war stets ein…

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Schritte

Unser Leben besteht aus Schritten. Unsere erste Schritte als Kleinkind sind immer etwas besonderes und werden es für die Eltern wohl immer bleiben. In der Natur sind die ersten Schritte meist lebensnotwendig. Und eine lange Reise beginnt bekanntlich immer mit dem ersten Schritt. So bestimmen Schritte also unser Leben. Bewusst und unbewusst. Einige machen wir, weil wir es wollen, andere, weil wir es müssen und wieder andere, weil wir glauben, sie tun zu müssen. Aber wir tun sie. Denn sie sind für uns das, was wir zum Leben brauchen. Stillstand bedeutet das Ende. Vielleicht nicht gleich, dennoch bald. Wir müssen uns voranbewegen – das ist die Natur von uns. So gehen wir also. Einen Fuß vor den anderen. Schritt für…

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Früher jung

Wie oft höre ich, dass man heut zu Tage viel zu schnell erwachsen wird. Gerade erst im (großartigen!) Film ‚Zombieland‘ fiel der Satz „Heute ist 12 wie 20.“ Ist das wirklich so? Wenn ich mir heute die 25-jährigen anschaue, sehe ich Typen, die mit Hosen in den Kniekehlen, aufgesetzter Kaputze und Bierflasche am Sonntagabend unseren Marktplatz verwüsten. Oder Atzen, die ihr Basecap nicht richtig aufsetzen können und immernoch denken, ein VoKuHiLa wäre hip… oder so. Oder junge Frauen, die keinen Job, keine Perspektive, aber ein Kind haben, weil sie einmal zu weit gegangen sind und jetzt nicht recht wissen, was zu tun ist. Ist das erwachsen?

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Allein unter vielen.

Ich fühle mich allein. Ich bin von Leuten umgeben. Jeder Menge Leuten. Doch Sie gehen an mir vorbei. Sie sind wie einsame Schatten, die sich ändern. Die kommen und gehen und sich wandeln, je nach Stand der Sonne. Ich werde allein bleiben. Niemand wird warten, wenn ich nach hause komme, niemand wird sich freuen, mich umarmen, mich küssen, mich fragen, wie mein Tag war. Oder meine Woche. Oder wie ich mich fühle. Allein und einsam werde ich meine Stunden fristen, werde meine Zeit verbringen, bis ich wieder losfahre. Allein, wie ich gekommen bin. Zwischen Schatten, transparenten Schemen, die mich ignorieren, wie ich Sie nicht kenne. Allein unter vielen. Ich vermisse es jetzt schon. Zu wissen, dass das zweite Bettdeck auf…

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Helden

Vor kurzem bin ich einmal mehr mit dem Zug von Rostock nach Neubrandenburg gefahren. Wer die Strecke kennt, der weiß, dass sie schrecklich ist und ständig unterbrochen, durch Schienenersatzverkehr ersetzt werden muss. So auch an diesem Tag. Es war einer dieser Tage, der so brütend heiß war und die Schienen hatten sich wohl irgendwie verbogen. Die Stimmung der Passagiere war entsprechend gereizt und jeder wollte wenigstens einen Sitzplatz bei der Hitze haben. So war es kein Wunder, dass jeder sofort aus dem Zug zum Bus stürzte, seinen Koffer in die Fahrradnische stellte und Platz nahm. Jene, die nicht so schnell sein konnten, sei es aus Altersgründen oder einfach, weil das Gepäck zu schwer war, hatten das Nachsehen.

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Essay, Gedankenseiten

Diary

Ich habe Kopf. Hört sich lustiger an, als es ist. Denn ich habe einen Kopf. Klar. Und da haben wir auch schon mein Problem. Hätte ich den nicht, würden mir wohl nicht so viele Gedanken durch selbigen gehen. Wie auch. Trotzdem habe ich Kopf. Und mit ihm auch Kopfschmerzen. Wegen der Probleme, die mir drin rumschwirren. Wegen des Zwistes, den Kopf und Herz haben. Sind die Probleme eigentlich die Ursache für meine Gedanken oder die Gedanken die Ursache für meine Probleme? Wenn ich das wüsste, könnte ich versuchen, etwas dagegen zu tun. Aber so… bleibt mir lediglich, herumzusitzen und Kopf zu haben. Oder eben Kopfschmerzen. Und mein Herz? Es zerspringt, zerreißt und explodiert vor Schmerz. Wenn das Herz weg ist,…

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Gedankenseiten

Weg zur Sonne

Ich ging die Straße entlang. Den Krangen meiner Jacke hochgestellt; die Hände in den Taschen vergraben. Ich zog die Schultern hoch und doch… der Wind ging mir bis unter die Knochen. Ich fröstelte. Schwach schaute ich aus meinen Augen. Ein resignierter Blick auf das nasse Grau der Straße. Der Regen hatte alles durchtränkt; mich inklusive. Ich spürte, wie der Wind durch den Regen noch kälter wirkte, als er durch meine Haare fuhr. Eine Gänsehaut schlich sich von meinem Nacken bis in mein Kreuz. Ich frohr erbärmlich. Nur nicht anhalten. Weitergehen. Sonst frierst du noch mehr, dachte ich. Ich schluckte schwer. Der Hals tat mir weh. Nicht schon wieder krank werden. Ich zitterte. Und bemerkte, wie schwach ich wurde. Und müde.…

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Gedankenseiten, Lyrik

Fluss

Nur ein Gefühl. Nur ein Gedanke. Nur ein flüchtiges Streben ohne Wiederkehr. Dein Kopf ist leer. Deine Füße kühl. Gedanken ohne Leben. Denn ein Fluss fließt durch Dich. Ein Fluss fließt durch mich. Reißt alles hinfort, was bisher war; Reißt es fort und es ist nicht mehr da. Nimmt es mit sich, nimmt es fort. Nimmt’s an einen weit entfernten, schöneren Ort. Schwer fällt mein Kopf auf den Sand. Ich will nicht mehr, weil ich nicht mehr kann. Leblos fällt mein Ich von mir ab. Mein Geist fliegt gen Himmel, lässt den Körper hinter sich; lässt vom Irdischen endlich ab. Denn ein Fluss fließt durch mich. Ein Fluss fließt durch Dich. Reißt alles hinfort, was bisher war; Reißt alles fort…

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