Essay, Gedankenseiten

Here I stand alone

„Schreib mal wieder was!“ schallte es in meinem Kopf, als ich auf meiner Seite umherschaute.
Genug mit dem einfachen Youtube-Video-Blogs und wieder her mit ein paar interessanten Texten, die zeigen, was mir im Moment durch den Kopf geht.
Aber worüber genau soltel ich schreiben?
Darüber, dass das Leben eine einzige Berg- und Talfahrt ist?
Es geht hoch und runter. Und uns fällt vor allem das Runter viel mehr auf, als das Hoch. Manchmal sind wir so sehr damit beschäftigt, uns vom negativen zu erholen, dass wir gar nicht mehr mitbekommen, wenn uns etwas gutes widerfährt.
Doch manchmal hat das Leben eben auch gerade nichts positives zu bieten. Es lacht uns mit dem nackten Gesäß an und zeigt uns unverblümt den Mittelfinger.
Mir ging es so. Ich war wochenlang total ausgeschaltet und vegetierte vor mir hin. Irgendwie wird’s dadurch aber auch nicht besser. Das einzige, was uns dann noch bleibt, ist mit einem großen, breiten Grinsen von einem Ohr zum anderen den eigenen Mittelfinger zu heben und zu sagen „Nein. Ich bin noch nicht besiegt.“, sich umzudrehen und seinen Weg weiter zu gehen.
„Nach Regen kommt immer wieder Sonnenschein“  meinte meine Uroma damals immer.

Ich könnte auch darüber schreiben, wie ich einen wunderbaren Menschen bei Jappy kennenlernte, der mir mittlerweile so wichtig ist, dass ich alles für ihn gäbe.
Dass er das Hoch ist, das mich aus dem Tal herausgeführt hat. Und dass ich kaum fähig bin, nieder zuschreiben, was ich empfinde.

Oder ich schreibe darüber, dass ich wieder zur Fotografie zurückgefunden habe und wundervolle Bilder meiner noch wundervolleren und einzigartigen Verlobten gemacht habe.
Ich habe mir eine neue, größere Speicherkarte für meine Kamera gekauft und einen Akku, der toll ist und mehr als 1000 Bilder durchhält.
Ich könnte davon schreiben, dass der Frühling da ist und Bilder bietet, die ich bisher nicht gesehen habe und mir das Gefühl gibt, dass es immer einen Ausweg gibt.

Ich wäre aber auch darüber zu schreiben fähig, dass mich immer noch häufig genug das Gefühl heimsucht, dass es nicht so ist. Dass statt einer Bergfahrt plötzlich ein Tunnel da ist. Ohne Ende. Und der immer tiefer geht. Dass ich manchmal gern zu hause säße, ohne etwas zu tun und den ganzen Tag nur weinen könnte.Weil ich mich immer noch nicht selbst gefunden habe. Weil ich scheinbar auf einer langen Reise bin, die einfach kein Ende findet. Weil ich mich einsam unter Menschen fühle. Einsam in einer verdammt großen Welt, die Tag für Tag auf mich einzudreschen scheint und mir dann klar wird, dass ich nicht der Mittelpunkt dieser Welt bin und sich die Welt auch ohne mich weiterdrehte. Dass ich ganz klein bin.
Und dass ich es manchmal auch tue.

Aber, dass ich am nächsten Tag wieder der Chris bin, der sich um all seine Freunde und Lieben nach bestem Gewissen kümmert und für jeden da ist. Ohne Rücksicht aufs eigene Schicksal. Ich ignoriere einfach den wehementen Schmerz in mir, denn so ist er am besten zu ertragen und lebe in mein Leben hinein und schaue, was kommt. Nur so kann ich es manchmal überstehen. Und meine Freunde sind alles für mich und ich gehe für jeden einzelnen durchs Feuer.

Dann könnte ich aber wieder banal werden und über eine – wie ich finde – der genialsten Bands seit langem schreiben. „Van Canto“ macht Metal mit dem Mund. Also A capella. Und das rockt total.
 


Aber dann wäre es nur wieder einer dieser YouTube-Blogs.

Am Ende würde ich auf meinen Weg – der mein Text ist zurückschauen und überlegen, wie ich Enden könnte und erkennen, dass ich allein durch meine Überlegungen meine Gedanken habe schweifen lassen und dies einfach nur niederschrieb.
Ich wäre erstaunt darüber, wie schnell sich doch eine Seite gefüllt hat und den Text überarbeiten, dann in meinem Blog posten und auf Kommentare warten.
Ich wäre froh darüber, wiedereinmal meine Gedanke offengelegt zu haben und damit ein wenig den Druck von meinem Herzen genommen zu haben.
Ich würde danach aufstehen, den Fernseher anmachen, mit meinen Freunden chatten und ihnen zuhören.
Ich würde meinen Schmerz wieder ignorieren, der während des Schreibens hochgekommen wäre, da er nur so ertragbar ist… und weitermachen. Denn was sollte man sonst tun, als den nächsten Berg zu erklimmen oder in nächste Tal zu wandern…

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