Essay, Gedankenseiten

Lübeck

Als der Wecker klingelte, war ich bereits wach. Ich starrte an die Decke. Lübeck. Ich war eigentlich unfreiwillig hier geblieben. Und jetzt, wo ich eine Nacht hier war, merkte ich, wie sehr es mir fehlen würde. Ich schloss noch einmal meine müden Augen und atmete tief ein. Ich roch den Geruch des alten Hauses, in dem ich ein Jahr gewohnt hatte. Ich sah, wie ich hier zwischen Kisten gelebt hatte, wie ich zu ersten Mal hier im Bett lag und an dieselbe Decke starrte, mit nur einem Unterschied: Damals war ich am Einschlafen – heute bin ich am aufwachen. Dann stehe ich auf und mache mich fertig. Ich schaue mich in meiner Wohnung um und erhasche wieder den Eindruck, den…

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Essay, Gedankenseiten

Deal

Es war schwer zu sagen, wie alt der Mann war. Mitte 30? Ende 40? Keine Chance, es zu schätzen. Er war sportlich. Athletisch gebaut und sonnengebräunt, weil er offenbar viel draußen war, hatte Poloshirt an und bequeme Schuhe, als wäre er gerade vom Sport zurück. Sein Bart fing wieder an zu sprießen. Obwohl er ihn wohl gestern erst rasiert hatte sah es schon fast, wie ein Drei-Tage-Bart aus.  Aber er wirkte jünger so. „Ganz schön was los, hm?“ stellte er eher fest, als dass er mir die Frage stellte. „Ja.“ sagte ich nur und nickte knapp. „Ne Menge.“ Er schaute mich nicht wirklich an. Eher durch mich durch. Als wäre er weit in Gedanken. In weiter Ferne. Aber ich wusste, dass…

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Gedankenseiten

Karten

„Du sagst, du hast dich verloren, Erkennst dich selbst nicht wieder, Als hättest du ein fremdes Leben gelebt. Musst irgendwohin, am besten alleine, Auch wenn es dir widerstrebt.  Du hast nachts I’m Traum plötzlich Visionen, Du zweifelst an deinem Verstand. Du sagst, du hast Angst, Du weißt nicht, wie es weitergeht, Und du bist ausgebrannt. “ (Farin Urlaub Racing Team, „Karten“)  

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Essay, Gedankenseiten

Here I stand alone

„Schreib mal wieder was!“ schallte es in meinem Kopf, als ich auf meiner Seite umherschaute. Genug mit dem einfachen Youtube-Video-Blogs und wieder her mit ein paar interessanten Texten, die zeigen, was mir im Moment durch den Kopf geht. Aber worüber genau soltel ich schreiben? Darüber, dass das Leben eine einzige Berg- und Talfahrt ist? Es geht hoch und runter. Und uns fällt vor allem das Runter viel mehr auf, als das Hoch. Manchmal sind wir so sehr damit beschäftigt, uns vom negativen zu erholen, dass wir gar nicht mehr mitbekommen, wenn uns etwas gutes widerfährt. Doch manchmal hat das Leben eben auch gerade nichts positives zu bieten. Es lacht uns mit dem nackten Gesäß an und zeigt uns unverblümt den…

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Lyrik

Was wir müssen

Was wir müssen *************** Wie ist es,  jemanden zu verlieren? Zu spüren, wie dort ein großes Loch entsteht. Ohnmächtig mit anzusehen, wie jemand von einem geht, zu sehen, wie ein Leben vergeht, und einfach daneben zu stehen. Es ist Qual.  Es ist Schmerz. Es bricht einem das Herz. Nimmt einem jede Hoffung. Daneben zu stehen, nichts tun zu können, zuzusehen, und doch lächeln zu können. Weil es das letzte ist,  was der andere sieht und ihm auf die Stirn zu küssen, ist das, was wir müssen.

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Essay, Gedankenseiten

[Essay] Große Dichter und Denker

Große Dichter und Denker hatten immer einen passenden Spruch parat. Immer wussten sie etwas kluges und elegantes von sich zu geben. Große Dichter und Denker… sie sind tot. Ich muss zugeben, ich bin in den letzten zwei Tagen sehr nah am Wasser gebaut. Ich bin vielleicht weder großer Dichter, noch Denker. Vielleicht habe ich deshalb kaum einen klugen Spruch parat. Ich habe ein Buch mit Lebensweisheiten… große Dichter und Denker… sie helfen mir trotzdem nicht. Ich habe eine Freundin. Ich gebe zu: Wir kennen uns noch nicht lange. Aber es ist etwas besonderes. Wirklich. Da ist ein Band zwischen uns, das man so selten findet. Es hat sich eine gute Freundschaft entwickelt. Meine Freundin hat Krebs. Und jetzt? Wo sind…

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Gedankenseiten

Wunder

Wie Du weißt, bin ich ein recht rationaler Mensch. Für mich ist das menschliche Wesen eher Zufall, denn göttlicher Schöpfung. Wir alle sind – kosmisch gesehen – völlig unbedeutend. Und sollten wir an einer Kolera-Epedemie dahin siechen, uns gegenseitig mit A-B-C-Waffen ins Jenseits bomben oder durch einen Kometen-Einschlag, den Dinosauriern gleich, von der Erde verschwinden, so krazt es das Universum – die kosmische Verbindung von allem – überhaupt nicht. Unser Planet ist nur einer von vielen. Unsere Sonne ist nur eine von vielen und dazu auch noch recht klein. Unsere Galaxie ist nur eine von so vielen, das wir nicht einmal eine Zahl dafür haben. Und ob ich nun einen Song von U2 aus dem Internet habe oder mir die…

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