Morgendämmerung

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Morgendämmerung

Ich weiß nicht, wie lang der Wecker schon klingelt.
Es könnten Stunden sein. Jedenfalls kommt es mir so vor. Als hätte ich ihn schon ewig in meinem Traum eingebaut.
Das Tageslicht bricht brutal durch die Fenster in das Zimmer. Der Staub glitzert im einfallenden Schein. Es ist stickig. Es riecht etwas nach Schweiß.
Die Laken sind zerwühlt. Die Decken kaum von einander zu unterscheiden. Der Wecker liegt schon am Boden, ein paar Meter weiter ein Kissen. Ein zerrissener Bezug daneben.
Da Bild, das auf dem Nachttisch, neben dem Wecker stand ist umgekippt daneben liegt ein Glas. Ein Tropfen Wein funkel darin. Ich schätze, das andere Glas liegt in der Nähe unter dem Bett.
Ich setze mich auf.
Im Zimmer sind ein paar Klamotten verteilt. Ein Hemd, dass über einen Stuhl gewoirfen werden sollte, liegt neben jenem. Achtlos von sich geworfen ein teures Abendkleid vor dem Bett. Eine Jeans, ein Hosenbein verdreht liegt auf dem Tisch. Strapse sind mitsamt der Krawatte zu einem Knäul, auf dem Tisch mit dem kalten Essen und der leeren Weinflasche, verflochten.
Die Hi-Fi-Anlage zeigt an, dass alle 4 CDs im CD-Wechsler zu ende gepielt sind.
Auf meinem Nachttisch steht eine leere Whisky-Flasche. Das letzte Glas habe ich nicht geschafft.
Ich hieve mich hoch.
Langsam schwanke ich zum Badezimmer.
Unter meinen Schuhsohlen knirscht das Glas der zerbrochenen Sektflasche.
Der Typ im übergroßen Spiegel des Hotelzimmerbades schaut mich leer an. Er ist blass. Sieht nicht gut aus. Schlimme Nacht gewesen.
Ich beobachte mich im Spiegel, wie ich den Wasserhahn aufdrehe und dabei hässliche Flecken auf dem blanken Chrom hinterlasse.
Das Blut geht nicht ganz von den Händen. Aber es klebt nicht mehr so.
Der Typ in der Wanne sieht mich leerer an, als der Typ im Spiegel. Er ist blass. Sein Schädel ist eingeschlagen. Das Blut auf seinem nackten Körper ist fast getrocknet; hier und dort glänzt es am noch.
Der Blick von Dir neben der Wanne ist auch leer. Deine Haare kleben verschwitzt auf deiner Stirn. Den Blick starr geradeaus gerichtet hast Du die Knie an die Brust gezogen. Du bist nackt. Aber das scheint Dir nichts aus zu machen.
Als ich deinen Namen sage, schaust du mich mit abwesendem Blick an.
Ich lächle.
„Guten Morgen.“

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