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Tag Archives: kitty

Deal

Es war schwer zu sagen, wie alt der Mann war. Mitte 30? Ende 40? Keine Chance, es zu schätzen. Er war sportlich. Athletisch gebaut und sonnengebräunt, weil er offenbar viel draußen war, hatte Poloshirt an und bequeme Schuhe, als wäre er gerade vom Sport zurück.
Sein Bart fing wieder an zu sprießen. Obwohl er ihn wohl gestern erst rasiert hatte sah es schon fast, wie ein Drei-Tage-Bart aus.  Aber er wirkte jünger so.
„Ganz schön was los, hm?“ stellte er eher fest, als dass er mir die Frage stellte.
„Ja.“ sagte ich nur und nickte knapp. „Ne Menge.“
Er schaute mich nicht wirklich an. Eher durch mich durch. Als wäre er weit in Gedanken. In weiter Ferne. Aber ich wusste, dass er hier war. Hier bei mir.
„Lass sie in Ruhe.“ sagte ich.
„Hm.“ machte er nur knapp.
Jetzt schaute er mir tief in die Augen. Und ich in seine.
„Lass sie in Ruhe.“ wiederholte ich.
„Ja ja. Ich habe Dich schon verstanden.“ Er schaute betreten auf den Boden. „Aber so einfach ist das leider nicht.“
Mir schoss das Adrenalin ins Blut. „Was soll das heißen? Natürlich ist das so einfach. Lass sie einfach noch ein paar Jahre in Ruhe. Mein Gott! Schau sie dir doch mal an. Sie ist nichtmal so alt, wie ich. Was soll an der Sache nicht so einfach sein? Einfach ist nur nicht DEINE Idee.“ Ich pumpte vor Wut.
„So einfach ist das nicht.“ sagte er noch einmal. Trauriger.
„Okay. Pass auf!“ schrie ich ihn fast an. „Ich stelle mich all dem hier. Der ganzen Breitseite. Die volle Packung. Ich nehme alles auf mich, und beiße mich durch alles durch, was mir in den Weg gelegt wird. Nur lasse ihr noch ein paar Jahre. Nicht jetzt. Nimm sie mir nicht jetzt. Bitte.“
Die letzten Worte hatte ich fast flüsternd ausgesprochen.
Er schaute mir lange in die Augen. Ich merkte, wie mir die Tränen kamen. Sein Blick mit den fast weißen Pupillen war kaum deutbar.
Ich meinte hier etwas Trauer, hier etwas Hoffnung und dort etwas Schmerz in seinem Blick erkennen zu können. Doch alles in allem, war er ein geschlossenes Buch.
Nach einer gefühlten Ewigkeit nickte er kaum merklich.
„Okay.“ Sagte er. „Durch alles. Egal, was es ist.“ – „Egal, was es ist.“ bestätigte ich. „Alles.“ – „Alles.“
Er streckte mir die Hand entgegen. Und ich drückte sie fest.
Wir fixierten unsere Blicke für ein paar Sekunden. Dann ließ er meine Hand los und ging in Richtung des Sonnenunterganges davon, der sich hinter unserem Handschlag gebildet hatte…
„Viel los heute…“ hörte ich ihn noch sagen.

Ein Text, der auch so in einem der nächsten Teile von „Far Away“ vorkommen wird.
Trotzdem ist er ein eigenständiger Text. Bedeutungsschwer für mich.
Ich weiß nicht, ob alles abstrakte gleich erkennbar ist. Jedoch denke ich, dass es alles recht gut zusammenpasst.

 

Posted by on 17. Juli 2009 in Essay, Gedankenseiten

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Was wir müssen

Was wir müssen
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Wie ist es, 
jemanden zu verlieren?
Zu spüren,
wie dort ein großes Loch entsteht.

Ohnmächtig mit anzusehen,
wie jemand von einem geht,
zu sehen, wie ein Leben vergeht,
und einfach daneben zu stehen.

Es ist Qual. 
Es ist Schmerz.
Es bricht einem das Herz.
Nimmt einem jede Hoffung.

Daneben zu stehen,
nichts tun zu können,
zuzusehen,
und doch lächeln zu können.

Weil es das letzte ist, 
was der andere sieht
und ihm auf die Stirn zu küssen,
ist das, was wir müssen.

 

Posted by on 2. April 2009 in Lyrik

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Ich bin stolz…

 

Posted by on 1. April 2009 in Gedankenseiten

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