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Tag Archives: tot

Weg zur Sonne

Ich ging die Straße entlang.
Den Krangen meiner Jacke hochgestellt; die Hände in den Taschen vergraben. Ich zog die Schultern hoch und doch… der Wind ging mir bis unter die Knochen. Ich fröstelte.
Schwach schaute ich aus meinen Augen. Ein resignierter Blick auf das nasse Grau der Straße. Der Regen hatte alles durchtränkt; mich inklusive. Ich spürte, wie der Wind durch den Regen noch kälter wirkte, als er durch meine Haare fuhr. Eine Gänsehaut schlich sich von meinem Nacken bis in mein Kreuz.
Ich frohr erbärmlich.
Nur nicht anhalten. Weitergehen. Sonst frierst du noch mehr, dachte ich.
Ich schluckte schwer. Der Hals tat mir weh. Nicht schon wieder krank werden. Ich zitterte. Und bemerkte, wie schwach ich wurde. Und müde.
Ich dachte an ein warmes Bett mit einer dieser Decken aus dem weichen Kunstfell. Dort wollte ich hin. Aber nicht allein. Allein war ich jetzt. Aber ich wollte es nicht sein. Also ging ichweiter.
Ich bemerkte, dass ich sogar allein auf der Straße war. Vielleicht würde bei dem Wetter niemand vor die Tür wollen.
Plötzlich blieb ich stehen. Ich wusste nicht mehr recht, warum ich unterwegs war. Wo wollte ich eigentlich hin?
Links von mir wurde es am Himmel heller. Die dicken, grauen Wolken waren dort nicht mehr ganz so dicht.
Also ging ich darauf zu.
Ein wenig Sonne war, was ich brauchte. Dann würde schon alles gut gehen.
Ich bog nach links ab und folgte der Straße. Ich merkte, wie es weniger regnete, wie der Wind schwächer wurde, wie es etwas wärmer wurde.
Ein gutes Gefühl.
Triefnass überquerte ich die Straße.
Die Sonne brach ein wenig durch die dichte Wolkenwand. Ein Sonnenstrahl. Er tut so gut. Ich erschauderte vor Wohlgefühl.
Das Auto traf mich schnell und hart.
Ich wurde einige Meter durch die Gegend geschleudert, bis ich auf der Seite liegend zm Stillstand kam. Die Sonne im Blick und mit Regen im Gesicht lag ich auf der Straße und spürte keine Schmerzen.
Der Wind führ mir durch die Haare.
Ich war sofort tot.

 

Posted by on 10. Februar 2010 in Gedankenseiten

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Mein Fall

Ich habe gerade eine kleinen Fund gemacht, der da ältere Texte von mir sind. Einige davon möchte ich in nächster Zeit veröffentlichen. Hier der erste davon…

Montag, 12. Juni 2007, Neubrandenburg, 00:36

Normalerweise komme ich auf meine Ideen für Blogs, während ich fernsehe oder durch die Welt um mich herum gehe und beobachte. Doch jetzt hat mich der Zufall, das Schicksal oder nennt es, wie ihr wollt, in eine ganz andere Gegend geschickt, um meinen neuen Blog zu schreiben: einen Traum.

Der Traum, von dem ich nun berichte war für mich kein schöner, jedoch auch kein schrecklicher. Der Traum, von dem ich nun berichte, wird sicher dem ein oder anderem ziemlich blöde vorkommen und doch hat er mehr mein Denken beeinflusst als irgendetwas in letzter Zeit.

Ich war auf einem riesigen Aussichtsturm. Das Wetter war sonnig und man konnte von den, ca. 100 Metern, die ich über der Erde stand weit sehen.
Der Turm existiert nicht wirklich.
Und doch kam er mit bekannt vor, wie ein weltweit bekanntes Monument, wie die Freiheitsstatue. Und ich oben drauf.
Er hatte die Form einer schmalen Pyramide, der die Spitze fehlt und hatte eine braun-rote, aber freundlich wirkende Farbe und der Platz vor ihm, der weit war und aus Betonplatten, mit vereinzelten Bäumen darauf, bestand, war gefüllt mit so vielen Menschen, dass ich sie nicht schätzen konnte.
Und ich stand oben und konnte sie alle sehen.
Nun, ich weiß nicht warum, denn in einem Traum ist ja immer alles sehr lückenhaft, aber irgendwie lief ich plötzlich los.
Ohne Grund lief ich auf die Kante zu. Nicht, weil ich springen wollte und vielleicht wollte ich nur wieder runter und habe mich in der Geschwindigkeit verschätzt – ich weiß es einfach nicht.
Aber ich fiel.
Es gab kein Geländer und ich konnte mich nicht mehr halten. Ich stolperte nach vorn und meine Füße verließen den Boden unter mir und für einen kurzen Moment schien ich zu schweben.
Der endlose Himmel über mir und einhundert Meter unter mir ebenfalls nichts.
Und dann fiel ich.
Das Adrenalin stieg in mir auf und rauschte in meinen Ohren. Ich schrie nicht. Ich sagte nichts. Denn ich konnte und wollte es nicht. Nur meine Augen wurden größer, denn ich erkannte, was passierte.

Völlig sachlich ging ich an die Sache ran. Es war vorbei. Es gab keine Chance mehr, zu überleben. Unter mir war nichts und ich würde nicht lang genug fallen, als dass irgendwer irgendetwas tun könnte. Blitzschnell ging ich alles durch, was möglich wäre und kam zu nichts. Ebenso schnell, was unmöglich wäre und kam zu allem.
Ich gab mich dem Ergebnis hin.
Im Fall drehte ich mich um die eigene Achse, so, dass ich den Himmel sah.
Langsam verflog das Kribbeln im Bauch, das man auch hat, wenn man in der Achterbahn sitzt.
Ich dachte an meine Freundin Lilli. Es tat mir Leid, dass ich jetzt ein Loch in ihr Leben reißen würde.
Ich dachte daran, dass das gesamte Leben eigentlich an mir vorbeirauschen müsste. Wie ein Film, so, wie man ja darüber immer liest. Aber es tat sich nichts. Ich fiel einfach und drehte mich wieder.
Ich spürte die Sonne auf meiner Haut. Spürte den Wind in den Haaren und ich sah die Welt immer näher kommen.
Und dann wachte ich auf.

Ein ganz normaler Alptraum, mag der ein oder andere jetzt sagen.
Aber denkt darüber nach: Träume passieren in euch. Ihr fühlt es wirklich und so nahm mich mein eigener Tod doch schon ziemlich mit.
Der Fall, die Logik mit der ich daran ging und auch diese Gefühle nahmen mich mit, doch das, was mich wirklich immer noch zum nachdenken bringt, ist, dass ich nichts schrecklich fand, keine Angst hatte und vor allem mit einem Lächeln aufkam…

 

Posted by on 20. Januar 2010 in Gedankenseiten

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Was wir müssen

Was wir müssen
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Wie ist es, 
jemanden zu verlieren?
Zu spüren,
wie dort ein großes Loch entsteht.

Ohnmächtig mit anzusehen,
wie jemand von einem geht,
zu sehen, wie ein Leben vergeht,
und einfach daneben zu stehen.

Es ist Qual. 
Es ist Schmerz.
Es bricht einem das Herz.
Nimmt einem jede Hoffung.

Daneben zu stehen,
nichts tun zu können,
zuzusehen,
und doch lächeln zu können.

Weil es das letzte ist, 
was der andere sieht
und ihm auf die Stirn zu küssen,
ist das, was wir müssen.

 

Posted by on 2. April 2009 in Lyrik

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[Essay] Große Dichter und Denker

Große Dichter und Denker hatten immer einen passenden Spruch parat.
Immer wussten sie etwas kluges und elegantes von sich zu geben.
Große Dichter und Denker… sie sind tot.

Ich muss zugeben, ich bin in den letzten zwei Tagen sehr nah am Wasser gebaut.
Ich bin vielleicht weder großer Dichter, noch Denker.
Vielleicht habe ich deshalb kaum einen klugen Spruch parat.
Ich habe ein Buch mit Lebensweisheiten… große Dichter und Denker… sie helfen mir trotzdem nicht.

Ich habe eine Freundin.
Ich gebe zu: Wir kennen uns noch nicht lange. Aber es ist etwas besonderes. Wirklich. Da ist ein Band zwischen uns, das man so selten findet.
Es hat sich eine gute Freundschaft entwickelt.
Meine Freundin hat Krebs.

Und jetzt? Wo sind die großen Dichter und Denker?
Und vor allem: Was brächten mir ihre klugen Sprüche?
Was bringen irgendwelche tollen Zitate von Einstein, Goethe und Konfuzius?

Sollte ich diese Freundin verlieren…
Was bringen mir all die klugen Worte?
Was bringen mir meine neunmalklugen Texte, die ich verfasse?

Sollte ich diese Freundin verlieren…
Ich wüsste es nichtmal.
Ich würde mich wundern, warum sie nicht mehr online kommt, denn sie wohnt weit entfernt.
Ich würde es erst dann erfahren, wenn es über drei Ecken zu mir gelangte.

Sollte ich diese Freundin je verlieren…
Ich würde sie nie vergessen.
Vielleicht einen klugen Text über sie verfassen.
Würde weinen. Lange und schmerzhaft.
Und dann würde ich an ein Lied denken, das sie mir mal gezeigt hat: „So lang mein Herz noch schlägt…“

Große Dichter und Denker…
Sie verfassen kluge Texte.
Ich verfasse kluge Texte.
Doch meine Freundin… sie lebt.

 

Posted by on 31. März 2009 in Essay, Gedankenseiten

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