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Tag Archives: trauer

Nur ein Mensch…

Dieser Text ist völlig frei aus dem Bauch heraus geschrieben. Er legt keinerlei Wert auf Form und/oder Ausdruck und wird auch nicht noch einmal liegen gelassen um ihn anschließend zu überarbeiten.
Er entsteht aus einer Laune. Einer Laune, die ich schon lange in mir trage; tragen werde.
Nichts desto trotz tut es gut, hin und wieder auf diesem Wege etwa davon heraus zu lassen.

Ich bin ein Mensch, der… nein. Anders. Ich bin ein Mensch. So ist es richtig. Fange ich damit an, was ich bin und komme so vielleicht auf die richtigen Trichter, warum ich so bin.
Nun, ich bin also ein Mensch. Und es liegt, das ist allgemeinhin gültig, in der Natur des Menschen, nicht immer korrekt zu handeln.
Ein weiteres Indiz dafür, dass ich wirklich ein Mensch bin.
Denn ich habe vielen anderen Menschen Schmerz und Trauer gebracht. Ohne es gewollt zu haben, aber doch oft mit einer leisen Vorahnung im Hinterkopf, die ich allerdings immer erfolgreich unterdrückte.
Und es tut mir leid. Denn obgleich ich mich als einen Menschen einschätze, der stets versucht, das Richige zu tun, bin ich einer jener, die so oft genug noch alles schlimmer machten und machen.

Ich möchte mich hiermit entschuldigen. Entschuldigen bei jenen, deren Wege ich folgenschwer gekreuzt habe. Jene, die ich beeinflusst habe. Vermeindlich zum Guten und die dann doch in ein Loch fielen. Oft meinetwegen. Es tut mir Leid, dass ich euch so sehr vertrauensvoll vorkam und schlussendlich sehr häufig eine neue Tür ins Leere aufging. Entschuldigung an alle, die ich enttäuscht habe – es war nie meine Absicht.
Verzeiht, wenn ich euch allein ließ, wenn ich hätte da sein sollen, verzeiht, dass ich oft nie hielt, was ich versprach.

Ich kann nichts davon leugnen. Ich stehe jeden Tag vor dem Spiegel und sehe jeden einzelnen von euch. Jene, die ich heute noch Freunde nenne, die an mich aber nicht einen Gedanken mehr verschwenden und verschwenden wollen.
Ich sehe euch immernoch. Und ich vermisse euch. Vermisse die Möglichkeit, es besser zu machen. Meine Versprechen zu halten, der Held zu sein, für den ihr mich einst hieltet.

Doch ich kann es leider nicht. Ich kann nicht all meine Versprechen halten. Nicht für jeden da sein, für den ich da sein müsste, nicht immer stark sein, wenn ich stark sein müsste. Nicht immer klug sein, nicht immer zuverlässig. Denn ich bin es nicht. Und werde es nie sein. Ich bin kein Held. Auch wenn ich es gern wäre.
Ich bin schlicht und ergreifend
nur ein Mensch.

 

Posted by on 19. Januar 2010 in Essay, Gedankenseiten

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Lübeck

Als der Wecker klingelte, war ich bereits wach.
Ich starrte an die Decke. Lübeck. Ich war eigentlich unfreiwillig hier geblieben. Und jetzt, wo ich eine Nacht hier war, merkte ich, wie sehr es mir fehlen würde.
Ich schloss noch einmal meine müden Augen und atmete tief ein. Ich roch den Geruch des alten Hauses, in dem ich ein Jahr gewohnt hatte. Ich sah, wie ich hier zwischen Kisten gelebt hatte, wie ich zu ersten Mal hier im Bett lag und an dieselbe Decke starrte, mit nur einem Unterschied: Damals war ich am Einschlafen – heute bin ich am aufwachen.
Dann stehe ich auf und mache mich fertig.
Ich schaue mich in meiner Wohnung um und erhasche wieder den Eindruck, den ich hatte, als ich hier frisch eingezogen war. Es war der Beginn eines Abenteuers. Neu. Beängstigend. Aufregend. Es ist ein beflügelndes Gefühl gewesen.
Ein paar Minuten später stehe ich an der Bushaltestelle. Ich will mein Lübeck noch einmal sehen. Ein letztes mal so sehen, wie ich es sehe.
Der Bus kommt zu spät. Wie schon immer.
Auf der Fahrt in die Altstadt sehe ich, dass sich nichts verändert hat. Lübeck ist das, was es immer war und wahrscheinlich immer sein wird. Seltsame Gestalten, beschäftigte Menschen. Arme, Reiche. Grau und Bunt. Alt und neu.
In der Altstadt angekommen umarmt mich die Stadt herzlich mit ihren grauen, feuchten und lauten Armen. Ich gehe die Breite Straße entlang. Die Einkaufsstraße in Lübeck.
Ein ausländischer Schneider schreit eine Frau in seiner Muttersprache hysterisch an. Ich verstehe kein Wort.
Mir kommen junge Mädels entgegen. Grüne Haare, zerrissene Hosen. Lachend. Ich lächle. So ist Lübeck und so mag ich es – lauter Verrückte. Mich eingeschlossen. Es tut gut, nach langem wirklich wieder „echt“ zu lächeln.
Der Straßenmusikant spielt links an der Ecke zur Dr-Julius-Leber-Straße auf seiner Gitarre.
Er ist nicht sonderlich gut.
Es klingt für mich, wie eine Symphonie und ich werfe ihm 50 Cent in den Hut, obwohl ich im Moment jeden Cent einzeln umdrehen müsste.
Ich bin hypersensibilisiert.
Mein Regenschirm baumelt lose in meiner Hand. Ich habe ihn nicht aufgespannt, obwohl es regnet. Ich will den Regen spüren, jeden Tropfen. Ich merke den Wind, der mir durch die nassen Haare weht. Ich rieche links Waffeln, rechts Bratwurst. Ich sehe die Bunte Werbung der ausländischen Essensstände.
Ich sehe eine junge Frau, die schwanger mit ihrem Freund Hand in Hand durch den Regen geht. Sie ist sehr hübsch, hat einen dicken Babybauch und rosige Wangen. Ihre Augen sind groß und sofort liebenswürdig. Sie wirkt gesund, wie schwangere Frauen fast immer aussehen. Und sie wirkt glücklich. Der Freund sieht aus, als könne er vor lauter Muskeln kaum gehen. Ich wünsche den beiden in Gedanken das beste für ihr Leben.
Weiter unten erinnere ich mich an meine ersten Stunden in Lübeck. Und das spezielle Lübeck-Gefühl, das ich schon vorher in meinem Bett hatte, kommt wieder in mir hoch. Ich bin wieder Abenteurer hier.
Warum kommt dieses Gefühl, das man erst hat, aber dann nach einiger Zeit so schmerzlich vermisst, erst dann wieder auf, wenn man im Begriff ist, das geliebte zu verlassen und zu verlieren?
Allen Personen, denen ich entgegenkomme, schaue ich ins Gesicht, es ist wunderbar, was für eine Vielfalt auf dem Boulevard von Lübeck herrscht. Ich bleibe stehen und verliere mich mehrere Minuten darin, einfach nur alles zu beobachten. Ein Vater schimpft mit seinem Sohn. Ein Kind fragt, warum der Brunnen nicht an ist. Ein Punker-Päärchen knutscht hemmungslos an der Ecke. Ein Skateboarder bleibt beim McDonalds-Schnellkauf-Fenster stehen. Ein Bettler sitzt wie eine Puppe dort und wartet auf Geld. Ein Geschäftsmann geht wild am Handy gestikulierend an mir vorbei. Ein Mann, der ein wenig, wie ein Mafiosi aussieht und eben so einen Anzug und Hut trägt kommt von links. Zwei junge Frauen gehen von recht gackernd und lachend an mir vorbei.
Ich will das alles nicht missen. Doch ich muss.
Ich schaue kurz auf die Uhr. Es ist noch genug Zeit eine größere Runde zu drehen. Ich mache einen Abstecher zur Trave. Es riecht nach Hafen, obwohl nicht viel Schiffsverkehr ist. Das wasser klatscht leise an die Kanalwände und von weitem höre ich, wie Touristen auf der Rundtour Lübeck gezeigt wird. Ich erkenne von weitem, wie ein vielleicht 5-jähriger Junge am Brückengeländer steht und gebannt ins Wasser starrt. Keine Ahnung, was er denkt, aber so stand ich auch schon da. Wieder lächle ich.
Ich besuche all die Läden, in denen ich früher oft war. Ich nehme alles, wie ein Schwamm auf. Jede Reklame, jedes Geräusch, alle Gerüche, alle Emotionen. Einige Händler grüßen mich sogar, weil sie mich kennen. Ich grüße freundlich zurück.
Auf dem Weg werde ich von einem Fahradfahrer fast umgerissen. Er fährt weiter, ohne etwas zu sagen oder anderweitig zu reagieren. So ist Lübeck nun mal. Love it or hate it. Liebe es oder hasse es. Es macht keinen Unterschied für die Stadt; sie macht so weiter.
Ich habe mich unsterblich verliebt.
Mein Weg führt mich durch Lübecks enge Gassen. Blumen lassen den Kopf hängen, weil Ihre Blüten so schwer sind. Sie sind ein grandioser Kontrast mit ihrer knalligen gelben oder roten Farbe zu dem Ziegelrot der Altbauten.
Die Giebel der Häuser sind schief und krumm, sie haben alle unterschiedliche Töne und ergeben zusammen ein wunderbares Mosaik das Altertums. Hinter den Giebeln entdecke ich die Marienkirche. An ihr sitzt ein kleiner Teufel aus Beton. Ich erinnere mich lächelnd an die kleine Geschichte, die dahinter steckt und habe eine Träne im Auge, als ich daran denke, wie es war, das erste mal neben ihm zu stehen.
Abrupt drehe ich mich um. Noch einmal überquere ich die Breite Straße; noch einmal umfängt mich der Geruch von einer Million Dingen. Ich stehe nun vor dem Thomas-Mann-Haus. Hier fing alles an. Hier war ich, als ich das erste mal in Lübeck war. Hier habe ich mich verliebt. Ich muss lachen, als ich eine Schulklasse das Haus verlassen sehen. Es ist, als schaute ich in einen Spiegel.
In Lübeck habe ich viele Schmerzen erfahren. Doch vieles davon kann ich mir selbst zuschreiben. Ich habe nämlich genauso viel dazugelernt und kennen gelernt. Dinge, die ich nicht missen möchte.
Ich denke an alte Freunde aus der Fachhochschule und daran, dass auch diese nun andere Wege gehen. Denke an Leute, die ich wahrscheinlich nie wiedersehen werde, weil ich nie viel mit ihnen zu tun hatte. Aber sie alle gehörten dazu. Zu dem Lübeck, wie ich es erfahren hatte.
Der Wind bläst mir stark ins Gesicht. Ich schließe die Augen ein weiteres mal und atme tief die Luft ein. Ein letztes mal.
Als ich am Bahnhof ankomme, tun mir die Füße weh. Ich drehe mich noch einmal um und sehe Lübecks Wahrzeichen, das Holstentor, das ich von allen Gebäuden in Lübeck am meisten liebe. Mit seinen schiefen Türmen, wirkt es, wie eine sympathische Karikatur von sich selbst. Ein paar Touristen fotografieren es.
Es ist nass und der Himmel dahinter ist grau. Ich fand es nie schöner.
Es kribbelt in meiner Nase.
Adieu, Lübeck. Ich bin jetzt eine Weile nicht mehr da. Es war schön mit Dir und ich werde Dich, wo auch immer ich bin, immer in meine Herzen tragen. Dich und all Deine Macken, aber auch – und vor allem – Deine wunderschönen Seiten.
Ich wünschte, ich könnte Dich länger begleiten und länger an Deiner Seite wandeln. Aber das Leben arbeitet manchmal gegen einen und seinen Traum.
Ich werde Dich vermissen.
Adieu, Lübeck.
Aber ich werde wiederkommen. Irgendwann.
Denn unsere Schicksale sind nun untrennbar miteinander verknüpft.

 

Posted by on 11. August 2009 in Essay, Gedankenseiten

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Deal

Es war schwer zu sagen, wie alt der Mann war. Mitte 30? Ende 40? Keine Chance, es zu schätzen. Er war sportlich. Athletisch gebaut und sonnengebräunt, weil er offenbar viel draußen war, hatte Poloshirt an und bequeme Schuhe, als wäre er gerade vom Sport zurück.
Sein Bart fing wieder an zu sprießen. Obwohl er ihn wohl gestern erst rasiert hatte sah es schon fast, wie ein Drei-Tage-Bart aus.  Aber er wirkte jünger so.
„Ganz schön was los, hm?“ stellte er eher fest, als dass er mir die Frage stellte.
„Ja.“ sagte ich nur und nickte knapp. „Ne Menge.“
Er schaute mich nicht wirklich an. Eher durch mich durch. Als wäre er weit in Gedanken. In weiter Ferne. Aber ich wusste, dass er hier war. Hier bei mir.
„Lass sie in Ruhe.“ sagte ich.
„Hm.“ machte er nur knapp.
Jetzt schaute er mir tief in die Augen. Und ich in seine.
„Lass sie in Ruhe.“ wiederholte ich.
„Ja ja. Ich habe Dich schon verstanden.“ Er schaute betreten auf den Boden. „Aber so einfach ist das leider nicht.“
Mir schoss das Adrenalin ins Blut. „Was soll das heißen? Natürlich ist das so einfach. Lass sie einfach noch ein paar Jahre in Ruhe. Mein Gott! Schau sie dir doch mal an. Sie ist nichtmal so alt, wie ich. Was soll an der Sache nicht so einfach sein? Einfach ist nur nicht DEINE Idee.“ Ich pumpte vor Wut.
„So einfach ist das nicht.“ sagte er noch einmal. Trauriger.
„Okay. Pass auf!“ schrie ich ihn fast an. „Ich stelle mich all dem hier. Der ganzen Breitseite. Die volle Packung. Ich nehme alles auf mich, und beiße mich durch alles durch, was mir in den Weg gelegt wird. Nur lasse ihr noch ein paar Jahre. Nicht jetzt. Nimm sie mir nicht jetzt. Bitte.“
Die letzten Worte hatte ich fast flüsternd ausgesprochen.
Er schaute mir lange in die Augen. Ich merkte, wie mir die Tränen kamen. Sein Blick mit den fast weißen Pupillen war kaum deutbar.
Ich meinte hier etwas Trauer, hier etwas Hoffnung und dort etwas Schmerz in seinem Blick erkennen zu können. Doch alles in allem, war er ein geschlossenes Buch.
Nach einer gefühlten Ewigkeit nickte er kaum merklich.
„Okay.“ Sagte er. „Durch alles. Egal, was es ist.“ – „Egal, was es ist.“ bestätigte ich. „Alles.“ – „Alles.“
Er streckte mir die Hand entgegen. Und ich drückte sie fest.
Wir fixierten unsere Blicke für ein paar Sekunden. Dann ließ er meine Hand los und ging in Richtung des Sonnenunterganges davon, der sich hinter unserem Handschlag gebildet hatte…
„Viel los heute…“ hörte ich ihn noch sagen.

Ein Text, der auch so in einem der nächsten Teile von „Far Away“ vorkommen wird.
Trotzdem ist er ein eigenständiger Text. Bedeutungsschwer für mich.
Ich weiß nicht, ob alles abstrakte gleich erkennbar ist. Jedoch denke ich, dass es alles recht gut zusammenpasst.

 

Posted by on 17. Juli 2009 in Essay, Gedankenseiten

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Karten

„Du sagst, du hast dich verloren,
Erkennst dich selbst nicht wieder,
Als hättest du ein fremdes Leben gelebt.
Musst irgendwohin, am besten alleine,
Auch wenn es dir widerstrebt. 

Du hast nachts I’m Traum plötzlich Visionen,
Du zweifelst an deinem Verstand.
Du sagst, du hast Angst,
Du weißt nicht, wie es weitergeht,
Und du bist ausgebrannt. “
(Farin Urlaub Racing Team, „Karten“)

 

Posted by on 5. Mai 2009 in Gedankenseiten

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Here I stand alone

„Schreib mal wieder was!“ schallte es in meinem Kopf, als ich auf meiner Seite umherschaute.
Genug mit dem einfachen Youtube-Video-Blogs und wieder her mit ein paar interessanten Texten, die zeigen, was mir im Moment durch den Kopf geht.
Aber worüber genau soltel ich schreiben?
Darüber, dass das Leben eine einzige Berg- und Talfahrt ist?
Es geht hoch und runter. Und uns fällt vor allem das Runter viel mehr auf, als das Hoch. Manchmal sind wir so sehr damit beschäftigt, uns vom negativen zu erholen, dass wir gar nicht mehr mitbekommen, wenn uns etwas gutes widerfährt.
Doch manchmal hat das Leben eben auch gerade nichts positives zu bieten. Es lacht uns mit dem nackten Gesäß an und zeigt uns unverblümt den Mittelfinger.
Mir ging es so. Ich war wochenlang total ausgeschaltet und vegetierte vor mir hin. Irgendwie wird’s dadurch aber auch nicht besser. Das einzige, was uns dann noch bleibt, ist mit einem großen, breiten Grinsen von einem Ohr zum anderen den eigenen Mittelfinger zu heben und zu sagen „Nein. Ich bin noch nicht besiegt.“, sich umzudrehen und seinen Weg weiter zu gehen.
„Nach Regen kommt immer wieder Sonnenschein“  meinte meine Uroma damals immer.

Ich könnte auch darüber schreiben, wie ich einen wunderbaren Menschen bei Jappy kennenlernte, der mir mittlerweile so wichtig ist, dass ich alles für ihn gäbe.
Dass er das Hoch ist, das mich aus dem Tal herausgeführt hat. Und dass ich kaum fähig bin, nieder zuschreiben, was ich empfinde.

Oder ich schreibe darüber, dass ich wieder zur Fotografie zurückgefunden habe und wundervolle Bilder meiner noch wundervolleren und einzigartigen Verlobten gemacht habe.
Ich habe mir eine neue, größere Speicherkarte für meine Kamera gekauft und einen Akku, der toll ist und mehr als 1000 Bilder durchhält.
Ich könnte davon schreiben, dass der Frühling da ist und Bilder bietet, die ich bisher nicht gesehen habe und mir das Gefühl gibt, dass es immer einen Ausweg gibt.

Ich wäre aber auch darüber zu schreiben fähig, dass mich immer noch häufig genug das Gefühl heimsucht, dass es nicht so ist. Dass statt einer Bergfahrt plötzlich ein Tunnel da ist. Ohne Ende. Und der immer tiefer geht. Dass ich manchmal gern zu hause säße, ohne etwas zu tun und den ganzen Tag nur weinen könnte.Weil ich mich immer noch nicht selbst gefunden habe. Weil ich scheinbar auf einer langen Reise bin, die einfach kein Ende findet. Weil ich mich einsam unter Menschen fühle. Einsam in einer verdammt großen Welt, die Tag für Tag auf mich einzudreschen scheint und mir dann klar wird, dass ich nicht der Mittelpunkt dieser Welt bin und sich die Welt auch ohne mich weiterdrehte. Dass ich ganz klein bin.
Und dass ich es manchmal auch tue.

Aber, dass ich am nächsten Tag wieder der Chris bin, der sich um all seine Freunde und Lieben nach bestem Gewissen kümmert und für jeden da ist. Ohne Rücksicht aufs eigene Schicksal. Ich ignoriere einfach den wehementen Schmerz in mir, denn so ist er am besten zu ertragen und lebe in mein Leben hinein und schaue, was kommt. Nur so kann ich es manchmal überstehen. Und meine Freunde sind alles für mich und ich gehe für jeden einzelnen durchs Feuer.

Dann könnte ich aber wieder banal werden und über eine – wie ich finde – der genialsten Bands seit langem schreiben. „Van Canto“ macht Metal mit dem Mund. Also A capella. Und das rockt total.
 
Aber dann wäre es nur wieder einer dieser YouTube-Blogs.

Am Ende würde ich auf meinen Weg – der mein Text ist zurückschauen und überlegen, wie ich Enden könnte und erkennen, dass ich allein durch meine Überlegungen meine Gedanken habe schweifen lassen und dies einfach nur niederschrieb.
Ich wäre erstaunt darüber, wie schnell sich doch eine Seite gefüllt hat und den Text überarbeiten, dann in meinem Blog posten und auf Kommentare warten.
Ich wäre froh darüber, wiedereinmal meine Gedanke offengelegt zu haben und damit ein wenig den Druck von meinem Herzen genommen zu haben.
Ich würde danach aufstehen, den Fernseher anmachen, mit meinen Freunden chatten und ihnen zuhören.
Ich würde meinen Schmerz wieder ignorieren, der während des Schreibens hochgekommen wäre, da er nur so ertragbar ist… und weitermachen. Denn was sollte man sonst tun, als den nächsten Berg zu erklimmen oder in nächste Tal zu wandern…

 

Posted by on 15. April 2009 in Essay, Gedankenseiten

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Was wir müssen

Was wir müssen
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Wie ist es, 
jemanden zu verlieren?
Zu spüren,
wie dort ein großes Loch entsteht.

Ohnmächtig mit anzusehen,
wie jemand von einem geht,
zu sehen, wie ein Leben vergeht,
und einfach daneben zu stehen.

Es ist Qual. 
Es ist Schmerz.
Es bricht einem das Herz.
Nimmt einem jede Hoffung.

Daneben zu stehen,
nichts tun zu können,
zuzusehen,
und doch lächeln zu können.

Weil es das letzte ist, 
was der andere sieht
und ihm auf die Stirn zu küssen,
ist das, was wir müssen.

 

Posted by on 2. April 2009 in Lyrik

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Ich bin stolz…

 

Posted by on 1. April 2009 in Gedankenseiten

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[Essay] Große Dichter und Denker

Große Dichter und Denker hatten immer einen passenden Spruch parat.
Immer wussten sie etwas kluges und elegantes von sich zu geben.
Große Dichter und Denker… sie sind tot.

Ich muss zugeben, ich bin in den letzten zwei Tagen sehr nah am Wasser gebaut.
Ich bin vielleicht weder großer Dichter, noch Denker.
Vielleicht habe ich deshalb kaum einen klugen Spruch parat.
Ich habe ein Buch mit Lebensweisheiten… große Dichter und Denker… sie helfen mir trotzdem nicht.

Ich habe eine Freundin.
Ich gebe zu: Wir kennen uns noch nicht lange. Aber es ist etwas besonderes. Wirklich. Da ist ein Band zwischen uns, das man so selten findet.
Es hat sich eine gute Freundschaft entwickelt.
Meine Freundin hat Krebs.

Und jetzt? Wo sind die großen Dichter und Denker?
Und vor allem: Was brächten mir ihre klugen Sprüche?
Was bringen irgendwelche tollen Zitate von Einstein, Goethe und Konfuzius?

Sollte ich diese Freundin verlieren…
Was bringen mir all die klugen Worte?
Was bringen mir meine neunmalklugen Texte, die ich verfasse?

Sollte ich diese Freundin verlieren…
Ich wüsste es nichtmal.
Ich würde mich wundern, warum sie nicht mehr online kommt, denn sie wohnt weit entfernt.
Ich würde es erst dann erfahren, wenn es über drei Ecken zu mir gelangte.

Sollte ich diese Freundin je verlieren…
Ich würde sie nie vergessen.
Vielleicht einen klugen Text über sie verfassen.
Würde weinen. Lange und schmerzhaft.
Und dann würde ich an ein Lied denken, das sie mir mal gezeigt hat: „So lang mein Herz noch schlägt…“

Große Dichter und Denker…
Sie verfassen kluge Texte.
Ich verfasse kluge Texte.
Doch meine Freundin… sie lebt.

 

Posted by on 31. März 2009 in Essay, Gedankenseiten

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