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Gedankensprung VI – Wir

„Meine Damen und Herren, wir haben unser Ziel erreicht und wünschen Ihnen noch eine schönen Tag.“ So oder so ähnlich wurde ich gerade erst von meinen Flugbegleiterinnen des Fluges 4633 verabschiedet und wieder auf festen Boden entlassen.

Ich habe definitv keine Flugangst. Hatte ich noch nie. Im Gegenteil – ich genieße die Flüge, die Landungen und die Aufstiege. Und trotzdem. Dieser eine kleine Moment, wenn man aus dem Fenster schaut und schon einzelne Details erkennt, wenn man die Höhe schon auf 200 – 500 Meter schätzen kann, dann ist einem dennoch etwas mulmig zumute. Egal, wie gern man fliegt. Man legt sein Leben schon beim Start des Fliegers in die Hände der Crew, aber hier wird es einem direkt vor die Nase gehalten. In fetten Buchstaben. Großbuchstaben. Mit blinkenden LEDs daran. Und Sounduntermalung…

Ich schweife ab.

Manchmal – ich weiß nicht, ob es der Druckausgleich ist, der sich auf mein Hirn schlagt, das Adrenalin oder einfach nur mein etwas komischer Geist, schweife ich bei Landungen weit ab und grüble. Während ich über die Häuser, Straßen, Seen, Autos und Menschen hinwegschieße und mich selbst doch nicht bewege, denke ich darüber nach, was wäre, wenn der Pilot wirklich nen schlechten Tag hätte. Einen ganz schlechten. Ganz, ganz. Und es wird mir bewusst, wie klein ich und jeder andere eigentlich ist. Ein ähnlicher Effekt, der sich einstellt, wenn man das Weltall beobachtet.
Eines wird einem schlagartig klar: Wir sind alle gleich. Egal, ob groß, klein, dick, dünn, blond, brunett, blaue augen oder braun-grün-blau-graue – stürzten wir ab, würde sich die Welt weiterdrehen. Einfach so. Wahrscheinlich würde sie es gar nicht wirklich mitbekommen. Heute abend sogar ihre Serie schauen.

Wir nehmen uns alle oft viel zu ernst. Viel zu wichtig. Es ist völlig Suppe, ob man nun ein Managergehalt in der höhe des Coca Cola-Vorstandes bekommt, oder nur einen Mindestlohn. Am Ende dreht sich die Welt trotzdem. Mit oder eben ohne uns.
Dessen sollten wir uns öfter bewusst werden. Nicht nur, wenn uns kurz der Arsch auf Grundeis geht, weil wir landen, obwohl wir 5 Minuten später trotzdem immer wieder cool, wie Bolle, mit Sonnenbrille und Jackett über den Flugplatz marschieren und alle unsere Handys checken, weil wir so „wichtig“ sind. Das sind wir nicht. Oder nur sehr bedingt. Nur im kleinen Rahmen.
Man halte sich einfach vor Augen, dass es im Endeffekt egal ist, was wir geschafft haben oder nicht. Wir sollten uns nicht vergleichen und uns besser oder schlechter finden. Wir sollten uns nicht auf Erfolg und Stellungen konzentrieren.
Sonder darauf, zu leben. Zu sein. Zu existieren. Hier und jetzt.
So gut, wie wir es fertig bringen. Um glücklich zu sein und es zu bleiben.
Dann ist es nämlich egal, wann die Welt stehen bleibt. Und am Ende zeugt dann das von wahrer Größe.

 

Was sind eigentlich „Gedankensprünge“?
Gedankensprünge sind kleine, knackige Texte von mir über Themen, die mir gerade spontan durch den Kopf gehen und die ich gern zu (virtuellem) Papier bringen möchte, um sie mit anderen zu teilen und zum Weiterdenken zu inspirieren.
Weil diese Gedanken eben sprunghaft kommen und in jede Richtung schweifen können, sind es eben „Gedankensprünge“.
Jeder, der gern mitdenken möchte oder ein Pro oder Contra parat hat, sei jederzeit herzlich zur Diskussion in den Comments – oder gern auch privat – eingeladen.

 

Posted by on 29. April 2011 in Gedankenseiten, Gedankensprünge

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