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Tränen

September 05

Es war Nacht. Kalt. Stürmisch. Und nass. Doch das hielt ihn nicht auf. Ein Feuer, heißer, als ein Vulkan und ewiger, als die Hölle brannte in ihm.
Unter seinem Fuß gab das alte Moos nach; ein paar Zweige knackten.
Dann sah er sie. Und er spürte, wie sich die Sehnsucht, die so riesig war, ihn bedrückt hatte.; wie eine Last von ihm abfiel, die er so nie zuvor gespürt hatte.
Er ging auf sie zu und sie lächelte ihn an. Wartete auf ihn und empfing ihn mit
einer Umarmung, die erlösend für beide war.
Er streichelte ihr Haar und küsste sie auf die Stirn. Dann fing sie an zu weinen
und er wollte ihr Tränen wegküssen. Doch nun weinte auch er. Sie küsste ihm
eine Träne von der Nasenspitze. Und wieder umarmten sie sich so voller Liebe.
Niemand würde ihm diesen Moment nehmen können. Nicht in seinem Leben.
Sie küssten sich. Das Feuer flammte auf und war heißer denn je.
Er unterdrückte ein Schluchzen. Sie zog ihn näher an sich und er roch ihren
wunderbaren Duft. Keine Rosen könnten es mit ihr aufnehmen. Sie war so
schön.
Sie lächelte. Er weinte.
Er schaute auf ihr Grab und wischte sich eine Träne vom Kinn, die ihn kitzelte,
als würde er dort sanft geküsst. Und ein Lächeln auf seinem Gesicht kam zum Vorschein. Ein schweres Lächeln. Doch eines von Herzen.
Sein Herz weinte. Sein Atem war schwer. Und die Tränen fielen von seinem
Gesicht.
Dann verließ er den Friedhof und kam nie zurück.

 

Posted by on 5. September 2007 in Lyrik

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